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Dienstag, 29. April 2008
Von: Bodo von Plato, Jens Heisterkamp

Auf verschiedenen Wegen – für eine Sache

Umgang mit Rassismusvorwürfen gegenüber Rudolf Steiner. In der März-Ausgabe von ‹Info3› erschien der Memorandumsentwurf zu den Rassismus-vorwürfen gegenüber Rudolf Steiner, der inzwischen in der anthroposophischen Bewegung lebhaft diskutiert wird (‹Goetheanum› Nr. 10/2008). In Bezug auf das weitere Vorgehen bestanden Unklarheiten – jetzt gehen einige der Erstunterzeichner eigene Wege.

Aus diesem Diskussionspapier ging für manche Leser nicht deutlich genug hervor, dass einige der Erstunterzeichner zwar den Vorgang und die gesuchte Diskussion, nicht aber den Entwurfstext des Memorandums unterzeichnet haben. Dies gilt insbesondere für Michaela Glöckler, Wolfgang Held, Walter Kugler, Henning Kullak-Ublick, Paul Mackay, Bodo von Plato und Justus Wittich. Der Entwurf sollte im Juni bei einem Kolloquium diskutiert, bearbeitet und in eine Endfassung gebracht werden.
Inzwischen sind Auffassungsunterschiede darüber zutage getreten, ob es dabei um eine Diskussion auf der Basis des vorliegenden Memorandumsentwurfs – also um Modifikationen einzelner Sachverhalte oder Wortlaute – gehen würde (wie von den Verfassern Ramon Brüll und Jens Heisterkamp angenommen), oder ob die grundsätzliche Ausrichtung des Memorandums noch einmal infrage gestellt und verändert werden kann (wie von den oben Genannten angenommen).
Die genannten Erstunterzeichner sehen in einer Stellungnahme zu den Rassismus-vorwürfen, die durch eine breite und offene Diskussion in der anthroposophischen Bewegung abgestützt ist, eine wichtige Aufgabe. Sie halten aber nach den bereits erfolgten Erklärungen vom Bund der Freien Waldorfschulen und der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland eine Aktion nicht mehr für angemessen, die erneut allein die rassismusverdächtigen Stellen im Werk Rudolf Steiners publiziert und kommentiert. Sie setzen sich vielmehr für eine Diskussion ein, in der zudem Äußerungen Steiners Beachtung finden, die charakteristisch für die Anthroposophie sind und die auch tatsächlich die weltweite Praxis anthroposophisch inspirierter Organisationen und Einrichtungen geprägt haben und prägen. Beide Ansätze reflektieren unterschiedliche Haltungen, Einschätzungen und Ziele zu diesem Thema innerhalb der anthroposophischen Bewegung: das ‹Frankfurter Memorandum› will glaubwürdig kommunizieren, nicht hinter Wortlauten Steiners stehen zu können, die heute diskriminierend wirken; der zuletzt angedeutete Ansatz will den spirituell-evolutionären Grundzug in Steiners Werk zeigen, der das radikale Eintreten der Anthroposophie für die menschliche Würde verständlich macht.
Gemeinsames Problembewusstsein
Beiden Arbeitsrichtungen ist gemeinsam, dass sie ein Problembewusstsein in der anthroposophischen Bewegung und in der Öffentlichkeit über die in Rede stehenden Vorwürfe und die Zielrichtung der Anthroposophie fördern und dokumentieren möchten. Nach der Leitidee ‹Differenzieren statt Polarisieren› haben sich die Beteiligten entschieden, die Auseinandersetzung mit den Rassismusvorwürfen zunächst auf unterschiedlichen Wegen weiter zu verfolgen. Das angekündigte gemeinsame Kolloquium wird unter diesen neuen Vorzeichen nicht stattfinden. Die hier Unterzeichnenden bleiben in Kontakt über die weiteren Entwicklungen und über mögliche gemeinsame Publikationsformen. | Bodo von Plato zeichnet für die oben Genannten, Jens Heisterkamp für die Initiative ‹Frankfurter Memorandum›