Die ersten Mitarbeiter

Willy Storrer

Die Gründung der Zeitung ging relativ schnell und mit deutlichem Votum für den ersten Leiter Albert Steffen vonstatten, wobei die Quellenlage noch auf Willy Storrer (Artikel über W. Storrer als pdf) aufmerksam macht, der am 20. November 1925 in einem Brief an Ita Wegman festhält:
«Die geistige Begründung dieser Wochenschrift mag gewiß nichts mit mir zu tun haben. Hierüber hat ja Herr Steffen das Nötige in seinen ‹Begegnungen mit Rudolf Steiner› gesagt. Aber es handelt sich doch auch darum, durch äußerliche Initiative und Ausdauer wenigstens die äußere Gelegenheit für diese Gründung zu schaffen. Aus diesen Zusammenhängen heraus hat sich ergeben, daß mir von Dr. Steiner persönlich die Administration der Zeitschrift anvertraut wurde.»

Albert Steffen

Steffen selbst schaut auf das Treffen vom 5. Juli 1921 zurück, auf dem der Plan zur Gründung des ‹Goetheanums› Gestalt annehmen sollte (‹Begegnungen mit Rudolf Steiner›; zitiert nach: ‹Begegnung und Rückschau Albert Steffen in seiner Zeit. Ein Lesebuch›, Dornach: Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum 1984):
«Einige Persönlichkeiten hatten sich zu einer Konferenz zusammengefunden, um die Gründung einer Zeitschrift zu beraten. Ich war ebenfalls eingeladen worden, befand mich aber in einer Stimmung, die nicht viel erwartete. Erstens wußte ich, daß es im Wesen solcher Redaktionskommissionen, wie hier eine geplant war, liegt, das Niveau der Mitarbeiter herunterzudrücken. Zweitens war es in der Schweiz sprichwörtlich geworden, bei einem derartigen Unternehmen zu spötteln: ‹Schon wieder eine neue Zeitschrift›, und sie von Anfang an zu sabotieren.
Rudolf Steiner, dessen Rat und Hilfe man erwartete, kam und hörte mit der unendlichen Geduld, die ihm eigen, eine Weile an, was über in- und ausländische Korrespondenten gesagt wurde. Hierauf äußerte er sich folgendermaßen: Er wolle nur Vortreffliches sowohl im Gehalt als in der Form vom Goetheanum ausgehen lassen. Dafür fordere er Gewähr, wenn man sein Einverständnis begehre. Es handle sich darum, wer die Redaktion übernehme. Albert Steffen (ich erschrak, denn mein Name erklang mir ganz unvermutet) sei ein anerkannter Schriftsteller ...
Ich schüttelte den Kopf, denn eben hatte ich von Menschen, die sich meine Freunde nannten, heftige Angriffe zu erdulden gehabt. Dr. Steiner wiederholte: ‹Ein von mir anerkannter Schriftsteller.›
Nie im Leben bin ich mehr beschämt gewesen, nie aber auch mehr ermuntert.
Bis jetzt hatte ich Romane, Novellen und Dramen geschrieben. Jetzt sollte ich zeigen, daß ich Wächter des gegenwärtigen Geisteslebens sein könnte ...
Ich spürte, wie ich durch Rudolf Steiners Vertrauen wuchs, ja ich darf sagen, daß ich in diesem Augenblicke eine Gesamtübersicht über das ganze, mehr oder weniger verhüllte und verhinderte Wollen und Wirken des neuen Zeitgeistes hatte. Ich wußte sogleich, wie die Sache anzugreifen war.
Rudolf Steiner fuhr fort: Ein solches Unternehmen könne nur gelingen, wenn es individuell geleitet würde. Alles hänge von der Arbeitsfreude dessen ab, dem es aufgetragen werde. Und die müsse frei verfahren dürfen. Deshalb sei die vorgeschlagene Redaktionskommission unnütz.
‹Wären Sie geneigt, sich dahinter zu setzen?› fragte er, ohne daß diese Frage irgendeine, auch nur leiseste Forderung ausgedrückt hätte.
Ich wollte erst Bedenkzeit erbitten, sagte aber plötzlich ja, denn ich empfand den Fingerzeig des Schicksals. Mehr: Die Hilfe guter Geister, durch Rudolf Steiner vermittelt.»

Nach einer ersten Redaktionssitzung am 21. Juli 1921 mit Rudolf Steiner und Albert Steffen, bei dem die erste Ausgabe besprochen wurde und bei der nach Steffens Erinnerung Steiner etwas über die Weltlage, Steffen etwas über Dornach schreiben wollte, alles andere aber ungewiß blieb, erschien am 21. August 1921 die erste Ausgabe mit einer Startauflage von 20.000 Exemplaren (der Historiker Christoph Lindenberg spricht sogar von 25.000 Exemplaren; in: ‹Die anthroposophischen Zeitschriften von 1903 bis 1985 - Bibliographie und Lebensbilder›, herausgegeben von Götz Deimann, Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben 1987, S. 85).