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Der Natur zum GeschenkWolfgang Held
Was ist Glück, was ist Gesundheit? «Selbstvergessenes Hinweggegebensein an die Lebensvollzüge», so antwortete Hans-Georg Gadamer, der Philosoph des 20. Jahrhunderts. Wer sich der Welt weggeben will, muss aber der Welt nahe sein, und diese Nähe ist heute ein seltenes Gut. Zu fremd ist man der Welt, als sich geben zu können, zu fremd sich selbst, als sich vergessen zu können. So vermag die Welt ihre große Antwort, ihr Geschenk an den Menschen kaum noch geben zu können: die Gefühle. Sie werden blass, vielleicht bis auf das eine Gefühl: der Sehnsucht nach Gefühl. Wie geht es weiter? Die heutige Kultur eilt von Erregungszustand zu Erregungszustand. Wenn die Gefühlsarmut zur Tugend wird, lässt dieser Trommelwirbel unberührt, will man die Zaubersprüche nicht mehr hören. Wenn die Gefühlsarmut zur Tugend wird, wird man sparsam mit den großen Worten. Aus erlittener Armut wird gewollte Armut und sie ist wohl der Boden – das lehrt die meditative Erfahrung – von Gefühlen, die nicht mehr die Natur schenkt, sondern umgekehrt der Natur zum Geschenk werden. |
