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Darwin-Jahr 09: Standpunkte und Perspektiven

2009 ist neben etlichen anderen auch das Darwin-Jahr. 2009 jährt sich Charles Darwins Geburtstag zum 200. Mal. Für viele Zeitungen, auch für ‹Das Goetheanum›, Grund sich Darwins Evolutionsthesen vertieft zu widmen bzw. – in unserem Fall – sie zum Ausgangs- oder Bezugspunkt für weiterführende, anthroposophische Blickwinkel zu nehmen. Hier präsentieren wir ein Dossier der im ‹Goetheanum› erschienenen Artikel zum Thema.

Zum Darwin-Jahr 2009 | Renatus Derbidge
(‹Goetheanum› Nr. 4/2009) Dieses Jahr feiert die Welt das Doppeljubiläum: 200 Jahre Charles Darwin (1809–1882) und 150 Jahre seit Veröffentlichung seines Hauptwerks ‹On the Origin of Species› 1859. Johannes Wirz, Biologe an der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum, würdigt zum Auftakt des Darwin-Jahres dessen Werk und skizziert Lage und Zukunftstendenzen der heutigen Biologie.

Bewusstwerdung als Ziel der Evolution | Andreas Suchantke
(‹Goetheanum› Nr. 5/2009) Rudolf Steiner erfasst unmittelbar die Bedeutung von Darwins epochaler Tat, der Idee der Evolution zum Durchbruch zu verhelfen. Ein bisher geschlossenes Tor wird geöffnet, wodurch Steiner Freiräume für seine eigene Forschung sieht. Diese hat mit Darwinismus nichts mehr zu tun, umso mehr, als Darwin Entwicklungen der frühindustriellen Gesellschaft auf die Biologie überträgt: der ‹Kampf ums Dasein› wird zum unausrottbaren Synonym für Evolution – und doch verbaut er den Zugang zu ihrer Wirklichkeit.

Anthroposophische Evolutionsanschauung | Hans-Christian Zehnter
(‹Goetheanum› Nr. 10/2009) Das Darwin-Jahr 2009 gibt Anlass, erneut dem Verständnis der von Rudolf Steiner in die Wege geleiteten Evolutionsanschauung näherzukommen. Hans-Christian Zehnter formuliert einige Fragen und Perspektiven einer anthroposophischen Evolutionsforschung, die den Diskurs anregen mögen. In der ‹Erziehungskunst› Nr. 9/2009 erschien eine erweiterte Neufassung dieses Artikels.

Zur Geschichte des Evolutionsgedankens | Almut Bockemühl
(‹Goetheanum› Nr. 10/2009) Auch der Entwicklungsgedanke hat seinen eigenen Inkarnationsweg. Almut Bockemühl gelingt es, einen aufschlussreichen Bogen von der Entstehung der Märchen bis hin zum heutigen Bewusstsein zu spannen: In den vorkopernikanischen Jahrhunderten wurden die Seelen durch die Märchenerzählungen der Rosenkreuzer dazu präpariert, Entwicklung bildhaft zu erleben, ehe sie durch die Naturwissenschaft so weit geschult waren, dass sie Entwicklung denken konnten.

Das Grundproblem des Darwinismus | Dankmar Bosse
(‹Goetheanum› Nr. 11/2009) Die heutige Naturwissenschaft kann Evolution nur in stofflichen Dimensionen denken. Ihr fehlt das ‹geistige Band›, in dem und durch das der Zusammenhang der einzelnen Lebensformen erst Sinn erhält. Dankmar Bosse mahnt diese Sichtweise an und spannt dabei den Bogen von Darwin bis Steiner, vom Problem der Übergangsformen bis hin zu Reinkarnation und Karma als Konsequenz einer sachgemäßen Evolutionsauffassung.

Darwin-Rezeption in der Kunst | Jürgen Momsen
(‹Goetheanum› Nr. 11/2009) Die Schirn-Kunsthalle Frankfurt nimmt den 200. Geburtstag von Charles Darwin und den 150. Jahrestag der Veröffentlichung seines Schlüsselwerks ‹Über die Entstehung der Arten› zum Anlass, die Ausstellung ‹Darwin. Kunst und die Suche nach den Ursprüngen› zu zeigen. Anliegen der Präsentation ist, die Auswirkungen des Darwinismus auf die bildende Kunst anhand von rund 150 Gemälden, Zeichnungen und Lithografien aufscheinen zu lassen. Einige meist schockierende Meilensteine zeigt Jürgen Momsen auf.

Sonderung der Naturreiche aus der Menschheitsevolution | Dankmar Bosse
(‹Goetheanum Nr. 13/2009) Im ‹Goetheanum› Nr. 11/2009 wies Dankmar Bosse auf ein Grundproblem des Darwinismus hin: Die unzähligen einzelnen Arten der Tierwelt erscheinen während der Erdgeschichte völlig fertig und sterben wieder aus. Unabhängig davon kann eine kontinuierliche Höherentwicklung aller Organe in einem sinnvollen Zusammenhang erkannt werden. Vor diesem Hintergrund verfolgt Dankmar Bosse das von Rudolf Steiner angeregte Konzept, die Naturreiche als im Laufe seiner Evolution vom Menschen herausgesetzt zu betrachten.

Weiterbildung im Forum Altenberg | Esther Hirschi
(‹Goetheanum› Nr. 18/2009) Das Forum Altenberg in Bern macht anlässlich des Darwinjahres durch ein umfangreiches und originelles Weiterbildungsangebot auf sich aufmerksam. In der Öffentlichkeit bekannte Dozenten ohne Berührungsängste zur Anthroposophie diskutieren in den insgesamt 13 Einheiten vom 9. Mai bis zum 12. Dezember kritisch das Thema Evolution. Esther Hirschi, in der künstlerischen Leitung des Forums Altenberg, erläutert das Konzept dieser Veranstaltungsreihe.

Vererbung erworbener Eigenschaften | Johannes Wirz
(‹Goetheanum› Nr. 20/2009) Das ‹klassische› Modell einer ‹darwinistischen› Evolutionsauffassung, die Vielfalt der biologischen Arten entstehe allein durch zufällige Variation und Selektion, wird durch neueste Forschungsergebnisse mehr und mehr untergraben. Ihre Befunde lassen sich vielmehr in das Bild der ‹Vererbung erworbener Eigenschaften› (auch ‹Epigenetik›) einordnen, wie es Rudolf Steiner etwa in seinem Aufsatz ‹Haeckel und seine Gegner› aus dem Jahre 1899 (GA 30) mit Vehemenz vertrat. – Johannes Wirz kommentiert.

Sonderung der Wirbeltiere aus der Menschheitsevolution | Dankmar Bosse
(‹Goetheanum› Nr. 24/2009) Im ‹Goetheanum› Nr. 11/2009 verdeutlichte Dankmar Bosse am Thema ‹Evolution und Devolution› ein zentrales Grundproblem des Darwinismus. In Nr. 13 folgte eine phänomenologische Herleitung der Sonderung der Naturreiche aus der Menschheitsevolution. Die Aufgliederung des Menschen-Wirbeltier-Stammes als schließlich zuletzt anstehender Schritt wird von Bosse in einem dritten Aufsatz eingehender betrachtet. Daran wird deutlich: Ein wirkliches Evolutionsverständnis bedarf einer imaginativen Erkenntnisweise.

Ein Blick auf Darwins Leben | Michael Martin
(‹Goetheanum› Nr. 25/2009) Der Vergleich eines Jugendbildes mit einem Altersbild von Charles Darwin (1809–1882) kann tief und rätselvoll berühren. Michael Martin spürte diesem Rätsel nach, indem er sich mit dem wohl sprechendsten Zeugnis – Darwins Autobiografie – beschäftigte. Und hier machte Martin eine erschütternde Entdeckung: «Der Verlust der Empfänglichkeit» für das Ästhetisch-Künstlerische «ist ein Verlust an Glück», so Charles Darwin am Ende seines Lebens.

Darwin und Zufall | Friedrich Schmidt-Hieber
(‹Goetheanum› Nr. 33-34/2009) Wie steht es mit der Auffassung des Darwinismus von der Bedeutung des Zufalls in der Evolution? Eine wichtige Frage, betrifft sie doch letztlich auch unser Selbstverständnis als Menschen. Sollten wir tatsächlich nur ein Produkt der Beliebigkeit sein? – Friedrich Schmidt-Hieber trägt Erkenntnisse der aktuellen Evolutionsforschung zusammen und stellt fest: Goethes Typus-Idee könnte als ‹Alternative› für den Zufall wieder salonfähig werden.